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Grüne Beute

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Besprechung des Buchs: "Grüne Beute"

erstellt von dieter zuletzt verändert: 14.07.2006 22:53

 

von Franziska Wolf



Herkunft: aktueller Rundbrief des Forums Umwelt und Entwicklung, Ökoinstitut vom Rundbrief 02/2006

Rundbrief 2/06 zum downloaden unter Forum für Umwelt und Entwicklung



In den vergangenen Jahren haben Fälle wie die Patentierung von Basmati, von Extrakten des Neembaums und des Hoodia-Kaktus’ weit über AktivistInnenkreise hinaus für Empörung gesorgt. Weil Biopiraterie im Spannungsfeld von Nord/Süd, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, Handel und Naturschutz, Konzernmacht und Kapitalismus angesiedelt ist, ist das Thema hoch politisiert. Eine Autorengruppe der ‚BUKO Kampagne gegen Biopiraterie’ hat nun ein Buch vorgelegt, das die Problematik umfassend aufarbeitet. Dabei liegt den Ausführungen ein weiter Begriff von Biopiraterie zugrunde, der alle „private Aneignung von Leben - d.h. von Pflanzen oder Tieren und ihren Bestandteilen oder Genen - und des Wissens über seine Nutzung mit Hilfe so genannter geistiger Eigentumsrechte” einschließt. Auf dieser Grundlage werden konkrete Formen der Biopiraterie, sowie Praktiken und Trends in Pharma- und Agroindustrie dargestellt. Die einschlägigen internationalen Regelwerke werden erklärt und als ‚moderne Kaperbriefe’ gewertet, die Biopiraterie im Wesentlichen legitimierten. Daraus resultierende Konflikte werden sowohl für die Industrieländer beschrieben (Biopatentierung, Sortenschutz, Nachbau) als auch für den globalen Süden (staatliche vs. lokale/indigene Interessen, Selbstbestimmung, Vorteilsausgleich, Schutz traditionellen Wissens). Ein gesondertes Kapitel widmet sich der Rolle von Frauen im Konfliktfeld Biopiraterie, bevor Formen und Akteure des Widerstandes vorgestellt werden. Unter der Überschrift ‚Alternativen und Gegenmodelle’ präsentieren die AutorInnen den Stand der Debatte zu kollektiven Eigentumsrechten, Datenbanken zum Schutz traditionellen Wissens, Saatgut-Registern und nationalen Bestimmungen zu ‚Access and Benefit-Sharing’ (ABS). Ein kurzer Exkurs zu Biopiraterie in anderen Bereichen als Pflanzen und eine Materialsammlung schließen das Buch ab. Bei der „Grünen Beute” handelt es sich um einen kritischen, kenntnisreichen und verständlich geschriebenen Beitrag zur deutschen Debatte um Biopiraterie. Es gelingt der Autorengruppe, die komplexen Zusammenhänge zwischen (bio-)technologischen Entwicklungen, globalen Wirtschafts- und Regelungsstrukturen und sozialen Konflikten aufzuzeigen. Für konkretes Engagement hilfreich, werden Akteure und Alternativen (zumindest ausschnitthaft) benannt. Nicht unumstritten ist allerdings der zugrunde gelegte Begriff von Biopiraterie: die AutorInnen unterscheiden bewusst nicht zwischen Biopatentierung und Biopiraterie (als widerrechtlicher Biopatentierung, z.B. bei Missachtung von ABS-Gesetzen, bei mangelnder Neuheit etc.). Diese weite Konzeption kann diskursstrategisch durchaus wirkungsmächtig sein; sie macht aber auch angreifbar, setzt sie sich doch dem Vorwurf mangelnder Differenziertheit aus. Nichtsdestotrotz ist das Buch - das übrigens unter einer ‚Creative Commons’- Lizenz veröffentlicht wurde - wegen seines kritischen Ansatzes und seiner Vielseitigkeit ein Muss für EinsteigerInnen in das Thema.

Franziska Wolff

Die Autorin ist Mitarbeiterin beim Ökoinstitut.


"Grüne Beute" ist unter den Bedingungen der Creative Commons License veröffentlicht, es steht zum freien Download - möglichst gegen Spende - im Netz hier unter Download zur Verfügung.

BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie (Hrsg.):

"Grüne Beute - Biopiraterie und Widerstand", Argumente, Hintergründe und Aktionen. Trotzdem Verlag Frankfurt/Main, Dezember 2005, 160 Seiten, kartoniert, 12 Euro, ISBN 3-931786-40-4