Biopiraten im Visier
VON RUDOLF WALTHER
Frankfurter Rundschau am 16.05.2006
Rund ein Viertel aller Medikamente beruhen oder beruhten bis zur synthetischen Herstellung von Wirkstoffen auf Heilpflanzen. Das machte diese Pflanzen weltweit lukrativ für die Forschung, vor allem für Pharmakonzerne. Eine Arbeitsgruppe der "Bundeskoordination Internationalismus" (Buko) hat die rasante Entwicklung dargestellt, die sich auf dem Gebiet der Biopiraterie, das heißt der Patentierung und Privatisierung von Pflanzen, in jüngerer Zeit abgespielt hat.
Die Autoren betonen, dass nicht die Forschung das Problem ist, sondern die Konsequenzen der Vermarktung von Pflanzen für die Menschen in den armen Ländern und die Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Insbesondere die Kontrolle über das Saatgut schafft neue, quasi-koloniale Abhängigkeiten. Die Subsistenzwirtschaft kleiner Bauern in Asien, Afrika und Südamerika werde dadurch zerstört.
Zwar gibt es seit Dezember 1993 eine UN-Biodiversitätskonvention, die bisher von 188 Staaten unterzeichnet wurde. Aber sie ist eine stumpfe Waffe. Artikel 4/1 erklärt Pflanzensorten und Tierrassen für nicht patentierbar. Schon der folgende Artikel hebt den Schutz nicht nur auf, "sondern erweitert sogar noch die Möglichkeit der Patentierung von Pflanzen und Tieren".
Obwohl beispielsweise die EU-Biopatente-Richtlinie nicht erlaubt, nur eine einzelne Orangensorte patentieren zu lassen, ist es prinzipiell möglich, alle Zitrusfrüchte mit einer bestimmten Eigenschaft mit einem Patent für die private Vermarktung zu schützen. Auch der menschliche Körper und seine Einzelteile sind nicht patentierbar, wohl aber einzelne Gensequenzen. Insgesamt bietet das Buch einen nützlichen Wegweiser durch das komplexe Gestrüpp von ökonomischen Interessen und ökologischen Gefahren.
Buko (Hrsg.): Grüne Beute. Biopiraterie und Widerstand. Trotzdem Verlag, Frankfurt a. M. 2006, 160 Seiten, zwölf Euro.