Geistige Eigentumsrechte werden immer wichtiger
Geistige Eigentumsrechte werden „globalisiert“, d. h. räumlich aus - ge dehnt: Länder, die z. B. bis vor wenigen Jahren noch kein Patentrecht hatten, sind durch Vertragswerke auf der internationalen Ebene verpfl ichtet, ein solches zu schaffen (siehe Kapitel 3.) Geistige Eigen tumsrechte werden zudem in ihrem sachlichen Anwendungsbereich im mer stärker ausgeweitet: Patente auf Pfl anzen oder Tiere werden in größerem Umfang erst seit relativ kurzer Zeit erteilt. Diese Entwicklung ist Teil einer Ausdehnungstendenz des kapitalistischen Wirtschafts- und Ge sellschaftssystems. Kapitalistische Märkte sind auf entsprechende recht liche Rahmenbedingungen angewiesen – geistige Eigentumsrechte sind ein Teil davon. Die Ausdehnung und Intensivierung von rechtlichen Regelungen zum Schutz geistiger Eigentumsrechte bewirkt, dass die kapitalistische Wirtschaft immer weiter in Bereiche vordringt, die vorher auf andere Weise organisiert und nicht als Markt verfasst waren. Dieses Buch verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „Inwertsetzung“, um zu zeigen, wie allgemein zugängliche Pfl anzen und traditionelles Wissen menschlicher Gemeinschaften zur Ware gemacht, mit Gewinn verkauft und anderen vorenthalten werden. Ein Beispiel ist die in vielen so genannten Entwicklungsländern noch vorhandene Praxis, im Rahmen der Selbstversorgungslandwirtschaft Saatgut selbst zu züchten, aus der Ernte des Vorjahrs aufzubewahren oder zu tauschen. Die Verwendung von Saatgut, das durch geistige Eigentumsrechte geschützt ist, macht eine derartige Landwirtschaft unmöglich. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Biopiraterie ist also sehr eng mit der Kritik des kapitalistischen Gesellschaftssystems und der Suche nach Alternativen verbunden.