Biopiraten auf der Pirsch: Formen von Biopiraterie
Biopiraterie kann viele Formen annehmen. Da gibt es einzelne Forscher- Innen oder Privatpersonen, die auf ihren Reisen zufällig besondere Pfl anzen sehen, ihre Verwendung erleben und, von den Möglichkeiten fasziniert, dieses Wissen zu Hause weitergeben wollen. Für die weitere Verbreitung des Produkts wird dann ein gewerblicher Partner gesucht und gefunden – dieser betreibt die Vermarktung aber nur selten aus reiner Menschenfreundlichkeit oder Begeisterung, sondern meist, weil er damit Gewinn erzielen möchte. Die Ausschaltung möglicher Konkurrenz erhöht die Gewinne. Der Vermarkter wird daher versuchen, ein Monopol zu erlangen: durch Geheimhaltung des Produktionswegs, durch aggressive Werbestrategien oder auch durch geistige Eigentumsrechte.
Wirtschaftlich bedeutender als diese eher „zufällige“ Biopiraterie, die auf einer ungeplanten Begegnung von ForscherInnen und Pfl anzenverwendung basiert, ist eine andere Struktur, die sich als „systematische“ Biopiraterie bezeichnen lässt. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Saatgut-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmakonzernen setzen bei der Entwicklung neuer Produkte auf die Eigenschaften von Pfl anzen, Tieren und Mikroorganismen und versuchen, diese systematisch unter ihre Kontrolle zu bekommen. Zum einen geht es um Nahrungs-, Futtermittel- oder Heilpflanzen, die bislang nur in einem eng begrenzten Kulturraum bekannt sind und dort genutzt werden. Beispiele dafür sind die Frucht Cupuaçu aus dem Amazonasgebiet oder der Hoodia- Kaktus aus dem südlichen Afrika. Zum anderen betrifft dies weit verbreitete Pflanzen, die ein großes Marktpotential darstellen, wie z. B. Weizen und Mais oder den indischen Medizinbaum Neem.
Wenn Unternehmen mittels Patent-, Sorten- und Markenrecht die Kontrolle über die Verwendung und Vermarktung bestimmter Pflanzensorten und ihrer Produkte erlangen, schränkt dies diejenigen in ihren Möglichkeiten ein, die diese Pfl anzen ursprünglich genutzt haben. Dies sind häufig indigene Völker oder lokale bäuerliche Gemeinschaften, die durch die traditionelle Nutzung Wissen über Pfl anzen erworben und diese durch Züchtung weiterentwickelt haben. Die gezielte Erkundung und Sammlung biologischen Materials im Rahmen systematischer Biopiraterie wird als Bioprospektion bezeichnet. Bioprospektion kann zur Patentierung und kommerziellen Verwertung biologischer Vielfalt führen und ist daher kaum als neutrale Forschung anzusehen.