Beobachtungen im Agrobusiness
Spielen im Heilpfl anzenbereich die Universitäten eine bedeutende Rolle, ist das im Agrarbereich nicht der Fall. Wenige Konzerne versuchen, den Nahrungsmittelmarkt zu beherrschen – und die Kontrolle des Saatguts ist der Schlüssel dazu. Die Produktion von Kunstdünger und Pestiziden ist nur noch ein Standbein der internationalen Agrarkonzerne. Sie bringen seit Jahren erfolgreich Saatgut-Verkaufsschlager in millionen-tonnenfacher Menge auf die Äcker der Welt. Die „Grüne Revolution“ hat weltweit zu einer Umorientierung auf wenige Hochertragssorten geführt und die Konzentration auf wenige ganz große Anbieter vorangetrieben.
Als „Grüne Revolution“ wird der Versuch bezeichnet, vor allem in den Ländern des globalen Südens seit den 1960 ern durch Hochertragssorten, Düngemittel, Pestizide und Monokulturen den Hunger zu bekämpfen. Der Versuch wurde sowohl durch viele Regierungen in den entsprechenden Ländern, als auch durch die internationale Entwicklungspolitik stark gefördert. Zu Beginn waren einige Erfolge (Ertragssteigerungen) zu verzeichnen. Die eingesetzten Methoden sind jedoch für die Verhältnisse in den Ländern zu teuer und zu aufwändig. Außerdem geraten die BäuerInnen in die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen. Weiterhin sind Umweltschäden, Verlust der Sortenvielfalt und hoher Wasserverbrauch als Folgen zu beobachten.
Im westlichen Europa hat der Siegeszug der industrialisierten Landwirtschaft wenig kleinbäuerliche Produktion übrig gelassen, in den USA noch weniger. In den Ländern des globalen Südens hat sich Landwirtschaft ebenfalls sehr verändert und verändert sich bis heute. Immer weniger Großbetriebe fahren die Ernte ein – und die Agrarindustrie zielt darauf, auch in den verbleibenden Bereichen Fuß zu fassen.
Die Agrarkonzerne vernichten selbst ihre Arbeitsgrundlage: ihr größter Erfolg – die monopolartige Marktmacht mit wenigen Sorten – bedeutet die Vernichtung der landwirtschaftlichen Vielfalt, zumindest „in situ“ (im Anbau auf den Feldern). Deshalb begannen die Hauptverantwortlichen für die Vernichtung dieser Vielfalt parallel mit deren (vermeintlicher) Sicherung in Form von Gendatenbanken. Wenigstens dort sollte möglichst viel der Diversität erhalten bleiben und der Unternehmenszugriff darauf gesichert werden, um Zucht auch zukünftig weiter betreiben und auf einen ausreichenden Genpool zugreifen zu können. Allerdings ist kein biologisches Fachwissen nötig, um zu erkennen, dass in Genbanken keine natürliche Weiterentwicklung der Pfl anzen erfolgen kann, Evolution ist nur auf den Feldern möglich.
Genbanken sind Einrichtungen zur Erhaltung und Aufbewahrung von v. a. pflanzengenetischen Ressourcen (Saatgut, Keimmaterial) unter künstlichen Bedingungen. Dieser Vorgang wird auch als ex-situ-Konservierung bezeichnet, d. h. man versucht das pflanzliche Material außerhalb seines natürlichen Lebensraumes für die Nachwelt zu erhalten. Neben der Einlagerung von Saatgut in entsprechenden Kühlhäusern können Genbanken z. B. auch aus Pollen oder Gewebekulturen aufgebaut werden. In der Regel wird das aufbewahrte Saatgut in regelmäßigen Abständen ausgesät, um seine Keimfähigkeit zu erhalten. Die weltweit wichtigsten Genbanken liegen bei den internationalen Agrarforschungsinstituten (IARCs). Die größte Genbank in Deutschland befindet sich in Gaters leben bei Magdeburg.