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Grüne Beute

Sektionen

Beobachtungen im Agrobusiness

erstellt von dieter zuletzt verändert: 18.01.2006 00:28

Spielen im Heilpfl anzenbereich die Universitäten eine bedeutende Rolle, ist das im Agrarbereich nicht der Fall. Wenige Konzerne versuchen, den Nahrungsmittelmarkt zu beherrschen – und die Kontrolle des Saatguts ist der Schlüssel dazu. Die Produktion von Kunstdünger und Pestiziden ist nur noch ein Standbein der internationalen Agrarkonzerne. Sie bringen seit Jahren erfolgreich Saatgut-Verkaufsschlager in millionen-tonnenfacher Menge auf die Äcker der Welt. Die „Grüne Revolution“ hat weltweit zu einer Umorientierung auf wenige Hochertragssorten geführt und die Konzentration auf wenige ganz große Anbieter vorangetrieben.

 Als „Grüne Revolution“ wird der Versuch bezeichnet, vor allem
 in den Ländern des globalen Südens seit den 1960 ern durch Hochertragssorten,
 Düngemittel, Pestizide und Monokulturen den Hunger
 zu bekämpfen. Der Versuch wurde sowohl durch viele Regierungen
 in den entsprechenden Ländern, als auch durch die internationale
 Entwicklungspolitik stark gefördert. Zu Beginn waren
 einige Erfolge (Ertragssteigerungen) zu verzeichnen. Die eingesetzten
 Methoden sind jedoch für die Verhältnisse in den Ländern
 zu teuer und zu aufwändig. Außerdem geraten die BäuerInnen in
 die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen. Weiterhin sind
 Umweltschäden, Verlust der Sortenvielfalt und hoher Wasserverbrauch
 als Folgen zu beobachten.

Im westlichen Europa hat der Siegeszug der industrialisierten Landwirtschaft wenig kleinbäuerliche Produktion übrig gelassen, in den USA noch weniger. In den Ländern des globalen Südens hat sich Landwirtschaft ebenfalls sehr verändert und verändert sich bis heute. Immer weniger Großbetriebe fahren die Ernte ein – und die Agrarindustrie zielt darauf, auch in den verbleibenden Bereichen Fuß zu fassen.

Die Agrarkonzerne vernichten selbst ihre Arbeitsgrundlage: ihr größter Erfolg – die monopolartige Marktmacht mit wenigen Sorten – bedeutet die Vernichtung der landwirtschaftlichen Vielfalt, zumindest „in situ“ (im Anbau auf den Feldern). Deshalb begannen die Hauptverantwortlichen für die Vernichtung dieser Vielfalt parallel mit deren (vermeintlicher) Sicherung in Form von Gendatenbanken. Wenigstens dort sollte möglichst viel der Diversität erhalten bleiben und der Unternehmenszugriff darauf gesichert werden, um Zucht auch zukünftig weiter betreiben und auf einen ausreichenden Genpool zugreifen zu können. Allerdings ist kein biologisches Fachwissen nötig, um zu erkennen, dass in Genbanken keine natürliche Weiterentwicklung der Pfl anzen erfolgen kann, Evolution ist nur auf den Feldern möglich.

 Genbanken sind Einrichtungen zur Erhaltung und Aufbewahrung
 von v. a. pflanzengenetischen Ressourcen (Saatgut, Keimmaterial)
 unter künstlichen Bedingungen. Dieser Vorgang wird auch als
 ex-situ-Konservierung bezeichnet, d. h. man versucht das pflanzliche
 Material außerhalb seines natürlichen Lebensraumes für die
 Nachwelt zu erhalten. Neben der Einlagerung von Saatgut in entsprechenden
 Kühlhäusern können Genbanken z. B. auch aus Pollen
 oder Gewebekulturen aufgebaut werden. In der Regel wird das
 aufbewahrte Saatgut in regelmäßigen Abständen ausgesät, um
 seine Keimfähigkeit zu erhalten. Die weltweit wichtigsten Genbanken
 liegen bei den internationalen Agrarforschungsinstituten
 (IARCs). Die größte Genbank in Deutschland befindet sich in Gaters
 leben bei Magdeburg.