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Wem schadet Heilpflanzenforschung?

erstellt von dieter zuletzt verändert: 18.01.2006 01:28

Gegen die Erforschung von Heilpflanzen ist grundsätzlich erst einmal nichts einzuwenden. Im Gegenteil, manche Heilpflanzen sind sehr stark in ihrer Wirkung und es können ebenso wie bei chemischen Produkten teilweise gefährliche Nebenwirkungen auftreten. Eine wissenschaftliche Untersuchung kann einen Zugewinn an Wissen bedeuten, der vielen Menschen helfen kann. 80 % der Weltbevölkerung vertrauen auf traditionelle Heilmethoden oder sie sind darauf angewiesen, weil Schulmedizin für sie unbezahlbar ist. Da das Vorkommen vieler Pflanzen auf be stimmte Gebiete beschränkt ist, kann der Verkauf von Pflanzen und Pfl anzenprodukten deshalb für arme Regionen eine gute Einkommensquelle darstellen. Im Gegensatz zur unkontrollierten Sammlung wilder Pflanzen, die den natürlichen Bestand ernsthaft bedrohen kann, ist ein landwirtschaftlicher Anbau oft ökologisch verträglicher. Bioprospektion und ethnopharmazeutische Forschung haben all zu oft keinerlei Interesse daran, den Menschen vor Ort zu nützen. Wenn Industrieländer aus Vermarktungsinteresse handeln, ist es nicht weit zur Biopiraterie. Das beginnt bei der Patentierung von Inhaltsstoffen, Verarbeitungsverfahren oder ganzen Pflanzen und geht bis zur massiven Einschränkung der Menschen im Umgang mit den Pflanzen, deren Wis sen sie überliefert haben (zur Problematik der Mitbestimmung beim Forschungs prozess siehe Kap. 3 und 5). Die Patentierung widerspricht in den meisten Fällen den gesellschaftlichen Regeln derjenigen, von denen das Wissen ursprünglich stammt. Vielen Kulturen ist es völlig fremd, ein Eigentumsrecht auf etwas zu beanspruchen, was in der Natur vorkommt.

 Die Top Ten Pharmakonzerne

 Die zehn größten Pharmaunternehmen der Welt nach Umsatz in
 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002

 (Statistik vom 24.1.2004)

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 | Nr. | Konzern                      | Umsatz | Marktanteil (%) |
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 | 01. | Pfizer (USA)                 | 40,3   | 11,0            |
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 | 02. | GlaxoSmithKline (GB)         | 27,0   | 7,2             |
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 | 03. | Merck & Co. (USA)        | 21,6   | 5,6             |
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 | 04. | AstraZeneca (GB)             | 17,3   | 4,5             |
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 | 05. | Johnson & Johnson (USA)  | 17,2   | 4,5             |
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 | 06. | Aventis (F)                  | 16,6   | 4,3             |
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 | 07. | Bristol-Myers-Sqibb (USA)    | 14,7   | 3,8             |
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 | 08. | Novartis (Schweiz)           | 13,6   | 3,5             |
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 | 09. | Roche (Schweiz)              | 12,4   | 3,2             |
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 | 10. | Wyeth (USA)                  | 11,7   | 3,1             |
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Dass Patentierungen von Heilpflanzen wirtschaftliche Einschränkungen für die traditionellen „Hüter“ der Pfl anzen bedeuten können, zeigt das Beispiel der Maca-Pflanze. Maca wächst als Busch in den Anden Perus. Für die BäuerInnen dort ist der Verkauf der Wurzeln in die USA eine gute Einkommensquelle. Maca hat den Ruf eines „pflanzlichen Potenzmittels“. Seit einigen Jahren wird „MacaPure“ produziert, laut dem Hersteller „ein wissenschaftlich bewiesenes Mittel zur Verstärkung der Libido und der Sexualfunktion“. Ob das richtig und medizinisch vertretbar ist, sei dahingestellt. Immerhin haben es zwei US-Firmen geschafft, Patente auf den Wirkstoff anzumelden. Diese umfassen das Maca-Saatgut sowie genetisches Material und beanspruchen zudem die isolierte Zusammensetzung und das verwendete Verfahren, um den Maca-Extrakt zu gewinnen. Die Folge für die BäuerInnen: sie dürfen ihre Wurzeln nicht mehr exportieren, an wen sie möchten, sondern sind vollständig auf die Firmen als Abnehmer angewiesen. Selbstverständlich bestimmen diese die Preise für die Abnahme.

Biopiraterie im Bereich der Medizin und Arzneimittelentwicklung ist ein komplexes Zusammenspiel von universitärer Forschung und Vermarktungsinteressen großer Konzerne. Die Forschung greift oft auf altes über liefertes Wissen von Menschen in Ländern des globalen Südens zurück. Das muss nicht zwangsläufi g zum Problem werden, wenn Grundregeln im Umgang mit anderen Kulturen beachtet und die Menschen mit Respekt behandelt werden. Viele sind gerne bereit, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn der Respekt fehlt und die indigenen Kulturen mit ihrer Erfahrung nur als Rohstoff für Forschung und eigene kommerzielle Interessen gesehen werden. Wenn das traditionelle medizinische Wissen patentiert wird und Forschende oder Firmen Exklusivrechte beanspruchen, ist das schlicht und einfach Biopiraterie.

[32] www.chemie.de/news/d/34370/?sort=3