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Viel zu tun und wenig zu sagen: Frauen und Biopiraterie

erstellt von dieter zuletzt verändert: 18.01.2006 00:28

Die Auseinandersetzungen um die biologische Vielfalt betreffen Frau en und Männer unterschiedlich. Wenn der Blick auf Geschlechterverhältnisse gerichtet wird, ist es wichtig im Auge zu behalten, dass diese auf einer patriarchalen Gesellschaftsordnung beruhen und keinesfalls „natürlich“ sind. Wenn im Folgenden die besondere Rolle von Frauen in Bezug auf biologische Vielfalt und Biopiraterie beschrieben wird, geht es nicht darum, „traditionelle“ Geschlechterverhältnisse zu verklären oder zu verteidigen. Vielmehr soll sichtbar gemacht werden, dass das Geschlechterverhältnis die Art und Weise durchzieht, wie Menschen Natur nutzen und wahrnehmen. Es bildet damit eine zentrale Kategorie in der gesamten Diskussion. Zwei wichtige Aspekte, an denen die Bedeutung des Geschlechterverhältnisses besonders deutlich wird, sind die geschlechtsspezifi sche Arbeitsteilung und die unterschiedliche Gestaltungsmacht von Frauen und Männern.

Der Begriff „geschlechtsspezifische Arbeitsteilung“ weist darauf hin, dass die Art und Weise, wie Arbeit in einer Gesellschaft organisiert und ausgeführt wird, Ergebnis gesellschaftlicher Vorstellungen über das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist. Auch für den Umgang mit biologischer Vielfalt haben sich geschlechtsspezifi sch unterschiedliche Nutzungsweisen entwickelt.[157] Häufig üben Frauen Tätigkeiten aus, die mit Zucht, Anbau, Ernte, Lagerung und Weiterverarbeitung von Pfl anzen zusammenhängen, oder sie kontrollieren diese. Das umfasst beispielsweise den Tausch von Saatgut und Setzlingen, die Pflanzenzucht in Hausgärten, die Kultivierung und Vermehrung von Wildpflanzen und den Erhalt von Landsorten. All diese Tätigkeiten erhöhen die Biodiversität einer Region. Viele dieser Arbeiten lassen sich dem „reproduktiven“ Bereich, der Haus- und Gartenarbeit, zurechnen. Dies ist ein Grund für die weitgehende Unterschätzung ihrer Bedeutung. Die Arbeit der Frauen hat landwirtschaftliche Produktion aber erst ermöglicht und gleicht manchmal sogar Probleme intensiver Landwirtschaft aus. Das Einkreuzen alter, von Frauen bewahrter Sorten kann Hochleistungssorten retten, wenn diese von Schädlingen bedroht sind.

Der Verlust der biologischen Vielfalt hat unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer: Vor allem arme Frauen sind durch die Zerstörung von Ökosystemen betroffen, da sie oft für das Sammeln von Feuerholz, Wasser und Tierfutter zuständig sind. Durch Biopiraterie werden traditionelle Wissenssysteme von Frauen in besonderer Weise bedroht. Ein weiterer geschlechtsspezifi scher Aspekt ist die unterschiedliche Gestaltungsmacht von Frauen und Männern. Frauen und Männer haben häufig unterschiedliche Möglichkeiten der Selbstbestimmung, Partizipation und Eigenverantwortung. Das zeigt sich etwa, wenn es um den Anteil von Frauen und Männern in Entscheidungspositionen geht, um den Zugang zu Wissen und Bildung oder um die Möglichkeit, politisch aktiv zu werden. Frauen sind von wichtigen Entscheidungen, die die agrarbiologische Vielfalt betreffen – so etwa von Saatgutgesetzen – ausgeschlossen. Von besonderer Bedeutung für viele Frauen im globalen Süden ist der Zugang zu Land und Saatgut. Immer noch haben Frauen geringere Möglichkeiten als Männer, über Land und Landnutzung zu entscheiden. Sie werden oft in Fragen des Erbrechtes benachteiligt und die von ihnen geleistete Arbeit für den Eigenbedarf zählt weniger als die landwirtschaftliche Exportproduktion.

[157] Vgl. P. Howard (Hrsg.), Women & Plants – Gender Relations in Biodiversity Management and Conservation, 2003.