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Grüne Beute

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Am Verhandlungstisch und auf der Straße: Widerstand und Protest gegen Biopiraterie

erstellt von dieter zuletzt verändert: 18.01.2006 01:28

Wo Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden, erhebt sich immer wieder Protest und Widerstand dagegen – und oft findet dieser Widerstand internationale Solidarität. Das Thema Biopiraterie war lange Zeit ein Spezialthema der NGO-Fachleute, obwohl sich an der Privatisierung der biologischen Vielfalt gut die Charakteristika kapitalistischer Gesellschaftsentwicklung zeigen lassen. Ein Grund dafür ist vielleicht darin zu suchen, dass die Menschen im hochindustrialisierten Deutschland nur noch wenige direkte Bezüge zur biologischen Vielfalt und zu „Naturthemen“ haben. In vielen Ländern des globalen Südens sieht die Situation anders aus: hier sind viele Menschen auf traditionelle pflanzliche Medikamente angewiesen oder bauen in Subsistenzlandwirtschaft verschiedene Getreide- und Gemüsesorten auf ihrem eigenen Land an.

 Kurze Geschichte des Widerstandes gegen Biopiraterie

 Protest und Widerstand gegen die Inwertsetzung genetischer Ressourcen
 gibt es international auf vielen Ebenen, mit unterschiedlichen
 Schwer- und Ausgangspunkten.

 Die Erfahrungen der „Grünen Revolution“, d. h. der verstärkten
 Industrialisierung der Landwirtschaft durch Hochertragssorten
 und synthetische Düngemittel in den 1950 er und 1960 er Jahren
 bilden den Hintergrund vieler heutiger Proteste gegen die Privatisierung
 biologischer Vielfalt. Die massive und teilweise gewalt-
 same Durchsetzung der „Grünen Revolution“ brachte zwar zunächst
 Ertragssteigerungen, erhöhte jedoch die Abhängigkeit der
 BäuerInnen von internationalen Unternehmen und die Verschuldung,
 verringerte die Artenvielfalt und zerstörte Ökosysteme.

 Viele AktivistInnen aus Entwicklungsländern wiesen bereits in
 den frühen 1980er Jahren auf die Folgen der Privatisierung biologischer
 Vielfalt im Zusammenspiel mit der Gentechnologie hin und
 organisierten Widerstandsaktionen dagegen.[161] In Indien demonstrierten
 1993 parallel zu den Verhandlungen des TRIPS-Abkommens
 mehrere hunderttausend Bauern und Bäuerinnen gegen die
 Patentierung von Pflanzen, Tieren und deren Genen. Von Basisbewegungen
 wurden die Rechte der BäuerInnen gegen die neuen internationalen
 Bestimmungen in Stellung gebracht. Sie fanden Eingang
 in die Diskussionen der UN-Organisation für Nahrung und
 Landwirtschaft (FAO). Dort werden seit Anfang der 1980 er Jahre
 Diskussionen über Maßnahmen geführt, die die Gen-Erosion landwirtschaftlicher
 Sortenvielfalt reduzieren sollen.

 In Deutschland wurde seit 1992 unter dem Slogan „Kein Patent
 auf Leben“ eine breitere Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam
 gemacht, vor allem von der gleichnamigen Kampagne
 und Greenpeace.

 Den Begriff Biopiraterie prägte 1993 die kanadische Gruppe
 RAFI [162]. Sie macht damit die politische Dimension der Aneignung
 genetischer Ressourcen deutlich und hielt den Biotechnologie-
 Unternehmen einen Kampfbegriff entgegen.

Die Protestformen sind höchst unterschiedlich, je nachdem ob Regierungen, soziale Bewegungen, VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen oder Wissenschaftsnetzwerke sich gegen Biopiraterie stellen. Unterschiedliche Interessen und v.a. unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe spielen eine entscheidende Rolle dabei, welche Kritik formuliert und welche neuen Perspektiven aufgezeigt werden. Nicht alle, die Patente auf Leben ablehnen, sind gleichzeitig gegen Biopiraterie aktiv, und nicht alle, die Biopiraterie ablehnen, stellen gleichzeitig die Inwertsetzung biologischer Vielfalt in Frage.

[161] Z. B. P. Mooney, Saat-Multis und Welthunger – Wie die Konzerne die Nahrungsschätze der Welt plündern, 1981.