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Technologische Kontrolle

erstellt von dieter zuletzt verändert: 18.01.2006 01:28

Neben rechtlichen Instrumenten werden auch Technologien schon immer genutzt, um neue Märkte zu erobern und zu kontrollieren. An zwei technologischen Entwicklungen, der Terminator- und der Nanotechnologie, lassen sich zukünftige Konflikte vorausahnen und Widerstandsperspektiven erkennen.

Durch die Terminatortechnologie wird mit Hilfe der Gentechnik unfruchtbares Saatgut hergestellt. Das heißt, aus dem gekauften Saatgut wird zwar einmal eine Pflanze. Deren Samen sind jedoch unfruchtbar – oder können nur durch die Zugabe bestimmter chemischer Substanzen wieder keimfähig gemacht werden. Das Ziel ist es, die BäuerInnen zu zwingen, jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen. Die Nebenwirkungen sind katastrophal: Betroffen davon sind vor allem die KleinbäuerInnen des globalen Südens, denn sie verwenden bis heute meist Samen aus der eigenen Ernte für die nächste Aussaat. Ist ihnen dies durch Patente oder Nachbaugebühren (s.o.) nicht mehr möglich, müssten sie jährlich teures neues Saatgut kaufen. Bereits 1998 versuchte Monsanto, die Terminator- Technologie salonfähig zu machen. Damals scheiterte das Unternehmen und im Rahmen der CBD einigte man sich auf ein Moratorium für die Anwendung dieser Technologie. Anfang 2005 unternahm Kanada mit der Unterstützung anderer Länder jedoch einen Versuch, dieses Moratorium zu kippen – und so wie es heute aussieht (Stand September 2005), wird die Vertragsstaatenkonferenz der CBD im März 2006 in Brasilien die Freigabe der Technologie diskutieren. Widerstand ist notwendig. Einem internationalen Aufruf der kanadischen Organisation ETC-Group, die Pläne der Konzerne zu durchkreuzen, folgen aus Deutschland u.a. die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie sowie die BUKOAgrarKoordination.

Mit der sogenannten Nanotechnologie scheint ein ähnlicher Weg eingeschlagen zu werden. Nanotechnologie ist der Sammelbegriff für alle technischen Prozesse, die sich der Bearbeitung von Stoffen bis 100nm Größe widmen.[198] Nicht alle diese Entwicklungen sind schlecht, aber bedeutende Schwierigkeiten ergeben sich bezüglich Fragen der Patentierbarkeit von neu zusammengesetzten Stoffen ebenso wie im Hinblick auf den Zusammenhang von Bio-/Gentechnologie und nanotechnologischen Entwicklungen. Die ETC-Group, die sich als eine der wenigen NGOs diesem Thema bereits seit mehreren Jahren widmet, hat einige kritische Studien erstellt, die den Zusammenhang zu Patentierungsfragen aufwerfen und gesellschaftliche Folgen der Nanotechnologie betrachten.[199]

Mit Hilfe nanotechnologischer Verfahren lassen sich Pestizide für weitere 20 Jahre patentrechtlich absichern, mit Hilfe von Bakterien Nanokabel für molekulare Computer produzieren oder wichtige Exportprodukte des globalen Südens wie Baumwolle oder Gummi ersetzen (durch Nanofasern und -partikel). Es lassen sich sogar, so die Hoffnungen der ForscherInnen, künstliche Organismen herstellen, die sich reproduzieren und an ändernde Umweltbedingungen anpassen können. „Unser Ziel ist es, [in 30 Jahren] eine so genaue Kontrolle über die Genetik lebender Systeme zu haben, dass wir, um einen Tisch zu erhalten, nicht erst einen Baum wachsen lassen und absägen müssen, sondern fähig sein werden, gleich den Tisch wachsen zu lassen.“ [200] Alle wichtigen Konzerne sind dabei: DuPont, IBM, Kraft / Altria, Bayer, Syngenta, Unilever, Nestle, GlaxoSmithKline, Pharmacia, Monsanto, BASF, DowChemicals, Microsoft …

[198] Vgl. für eine Einführung, N. Boeing, Nano?! Die Technik des 21. Jahrhunderts, 2004.

[199] Vgl. ETC-Group, Green Goo – Nanobiotechnology comes alive; Communique 77, 2003; ETCGroup, The Big Down – From Genes to Atomes, 2003; ETC-Group, Down on the Farm – The Impact of Nano-scale Technologies on Food and Agriculture, 2004.

[200] Rodney Brooks, Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz, Massachusetts Institut für Technology.