Zu diesem Buch
In immer größerem Ausmaß werden Pfl anzen und Tiere bzw. ihre Bestandteile zur handelbaren Ware gemacht. Für diese private Aneignung von Leben hat sich in jüngster Zeit der Begriff Biopiraterie herausgebildet. Im Zentrum der Privatisierungsbestrebungen stehen das Leben an sich, sowie das Wissen über seine Nutzung, das in vielen Kulturen der Welt über Jahrtausende hinweg entwickelt und bewahrt worden ist. Ermöglicht wird Biopiraterie durch sogenannte geistige Eigentumsrechte. Derartige Rechte (wie z. B. Patente) können einer Privatperson oder einem Unternehmen, einer Forschungseinrichtung oder einer sonstigen juristischen Person auf Antrag zugesprochen werden, um eine Erfi ndung, eine kreative Leistung oder einen Namen für ein Produkt zu „schützen“. Sie berechtigen dazu, andere von der Nutzung auszuschließen, und privatisieren damit das zu Grunde liegende Wissen bzw. die kreative Leistung. Beim Thema Biopiraterie geht es jedoch nicht nur um die Privatisierung von Natur und Wissen, sondern vor allem auch um Menschen, die ausgebeutet und instrumentalisiert werden – zur Profi tmaximierung der Konzerne in den Industrieländern.
Pharma-, Agrar- und Lebensmittelkonzerne sind weltweit auf der Jagd nach grüner Beute, nach verwertbaren Pfl anzen, Tieren und Genen. Die „Biopiraten“ sitzen dabei häufi g im Norden, die Vielfalt an Nutzpfl anzen, Heilpfl anzen und das Wissen über ihre Nutzung findet sich dagegen zumeist in den Ländern des Südens. Dieses Buch stellt Formen und Akteure von Biopiraterie vor und beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene sowie den Widerstand und den Protest gegen Biopiraterie: Wer ist gegen Biopiraterie aktiv? Welche alternativen Perspektiven gibt es? Wie stellen sich Positionen von Menschen aus dem globalen Süden und von indigenen Gruppen dar? Kapitel zu Biopiraterie und Geschlechterverhältnissen und Auseinandersetzungen innerhalb Deutschlands und Europas runden das Buch ab.
Gemeinsam verfasst wurde das Buch von AutorInnen, die in der „BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie“ aktiv sind. Es beruht auf Erfahrungen, die in den letzten Jahren in der Bildungsarbeit und bei Aktionen zum Thema Biopiraterie gesammelt wurden. Es soll zur Entfaltung eigener Aktivitäten gegen Biopiraterie ermuntern.